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Die Ansichten der Gelehrten zu Adhân und Iqâma

Die Ansichten der Gelehrten zu Adhân und Iqâma

Einmal war ich in einem Einkaufszentrum mit einigen ausländischen Gästen und Kollegen, da hielt mich eine Frau an, um mir eine Frage zu stellen. Dann bat sie mich um meinen Rat zu einem persönlichen Problem, das sie beunruhigte.

Als sie begann, ihre Geschichte zu erzählen, riet ich ihr, Spezialisten zu konsultieren, und empfahl ihr, Hilfe bei einer Beratungsstelle zu suchen. Ich gab ihr die Namen einiger Experten, die ihr bei ihrem Problem helfen könnten. Die Frau stand dicht bei mir, was mir Unannehmlichkeiten bereitete und die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zog. Sie bemerkte meine Verlegenheit. Als ich mich von ihr entfernte, um einen angemessenen Abstand zwischen uns zu wahren, sagte sie: „Verzeihen Sie mir! Ich habe eine schwere Hörbehinderung“, und zeigte auf das Hörgerät in ihrem Ohr.

Einer der mich begleitenden Kollegen tat mir und dieser Frau einen großen Gefallen. Er ist ein junger Lehrer an einer Schule in einem Vorort der Sta . Er wartete mit den Gästen, als ich dabei war, mein Gespräch mit der Frau zu beenden. Während wir uns unterhielten, filmte uns ein junger Mann, der im Einkaufszentrum beim Shoppen war. Die Frau war elegant gekleidet. Der junge Mann versuchte mit seiner Kamera einen mir unangenehmen Augenblick einzufangen! Mein Lehrerkollege eilte zu dem jungen Mann hinüber und bat ihn, das Foto oder Video zu löschen, und erteilte ihm eine Lektion in guter Moral und Anstand.
Hier kommen Fragen auf:

• Wie verstehen und bewerten wir ein solches Verhalten, das in unserem gesellschaftlichen Leben Verbreitung gefunden hat?
• Warum wetteifern Menschen beim Fotografieren der Privatangelegenheiten anderer Menschen ohne Rücksicht auf soziale und religiöse Werte und Traditionen?
• Warum sind weite Teile der Gesellschaft davon besessen, Fotos von Situationen zu machen, die gemäß gesundem Menschenverstand und Religion nicht gefilmt werden sollten, und sie dann ohne die geringste Scham oder Befürchtung zu veröffentlichen?
• Leiden wir unter Wahnsinn, einer Massenbesessenheit oder emotionaler Leere und suchen Selbstverwirklichung, indem wir einem exklusiven Foto hinterherjagen?
• Wenn dieses Phänomen gesetzlich schwer zu kontrollieren ist, wie könnten wir es auf gesellschaftlicher Ebene angehen?

Dieses Problem erfordert, dass wir umfangreiche Anstrengungen unternehmen, um es zu bewältigen. Menschen haben unter schrecklichen Erfahrungen gelitten, weil Fotos von unschuldigen Frauen und Männern gemacht wurden, die daraufhin Opfer von Verbrechen wurden.

Worauf ich in dem Vorfall, der sich mir zugetragen hat, hinweisen möchte, ist die Handlung des Lehrers, der die Initiative ergriffen hat, um diesem jungen Mann, der mich ohne Erlaubnis und ohne Notwendigkeit fotografiert hat, ein Verbot zu erteilen und ihn dazu zu bringen, das Foto oder Video zu löschen.

In solchen Situationen kommt das soziale Verantwortungsgefühl eines Menschen auf, weil Religion gemäß einer Überlieferung vom Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) aufrichtiger Rat ist, und das Gesetz nicht alle Details und technologischen Innovationen des Lebens berücksichtigen kann.

Dies erinnert mich an die Geschichte des britischen Orientalisten Michael Cook, der den Islâm studierte und ein umfangreiches Buch mit dem Titel Commanding Right and Forbidding Wrong in Islamic Thought schrieb. (Das Buch wurde von Dr. Radhwân As-Sayyid ins Arabische übersetzt.) Wie in der Einleitung erwähnt, war Cooks Motiv für die Ausarbeitung seines Buches ein Vorfall, über den in der New York Times berichtet wurde. Dabei ging es um eine Frau, die auf einem Bahnhof in Chicago in Anwesenheit mehrerer Personen vergewaltigt wurde. Was Cook an diesem Vergewaltigungsvorfall unangenehm auffiel, war, dass niemand einen Finger rührte, um der Frau zu helfen, oder ihre Hilferufe beachtete, obwohl sich der Vorfall während der Hauptverkehrszeit ereignete!

In seinem Buch äußert Michael Cook seine Bewunderung für die Theorie der moralischen Verpflichtung, die in den Vorschriften der islâmischen Scharîa festgeschrieben ist. Dabei galt sein Augenmerk der „individuelle Pflicht“, weniger der Rolle der Herrscher beim Unterbinden des Übels. In der islâmischen Fachsprache nennt man dieses Unterbinden „Hisba“.

Aufgrund der vorherrschenden Kultur der Unverfrorenheit und des Eingriffs in die Privatsphäre der Menschen ist es notwendig, diesen gesellschaftlichen Wert zu erneuern und wiederzubeleben. Andernfalls werden wir uns vielleicht an die Verletzung der Rechte der Menschen gewöhnen, uns dem Eingriff in ihre Privatsphäre hingeben und darüber schweigen, was wir in unserem Leben eigentlich verhindern oder einschränken könnten. Die Beachtung unserer „individuellen Pflicht“ würde uns allen psychische und soziale Sicherheit gewähren. Der bewusste Verzicht auf die Rettung einer Frau, die vergewaltigt wurde, ist nur das Ergebnis der zunehmenden Kompromisse und Gleichgültigkeit in Gesellschaften, die völlig gefühllos geworden sind.

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