Keine Privatgespräche in kleinen Gruppen – Teil 2

Keine Privatgespräche in kleinen Gruppen – Teil 2
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Wenn jemand ein privates Gespräch mit einem anderen in Gegenwart eines Dritten führen muss, ist er verpflichtet, dessen Erlaubnis auf sanfte und höfliche Weise einzuholen. Abdullâh ibn Umar (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wenn drei von euch zusammen sind, dann dürfen sich zwei von euch nicht unter Ausschluss des Dritten privat unterhalten, außer mit seiner Erlaubnis, denn sonst würde ihn das betrüben“ (Ahmad und Tirmidhî).

Eine weitere Verhaltensregel bei vertraulichen Gesprächen besagt, dass zwei Menschen sich nicht unter Ausschluss eines Dritten privat unterhalten dürfen, sofern Zwietracht und Uneinigkeit zwischen einem von ihnen und dem Dritten besteht. Ibn Hadschar (Allâh erbarme sich seiner) sagte in Fath Al-Bâri zu den Worten des Propheten „Es würde ihn betrüben“ Folgendes: „Aus dieser Erklärung wird abgeleitet, dass es eine Ausnahme von der allgemeinen Zulässigkeit gibt, wenn die Gruppe aus vier Personen besteht, was von Ibn Umar berichtet und zuvor zitiert wurde. Das ist dann der Fall, wenn es zwischen der alleinstehenden Person und den anderen beiden oder einem von ihnen aus einem Grund, der sie entschuldigt, kein Gespräch stattfindet. In solch einer Situation wird er als jemand betrachtet, der allein dasteht … Ibn Battâl überlieferte in Anlehnung an Aschhab von Mâlik, dass er sagte: ‚Drei dürfen sich nicht unter Ausschluss eines Vierten oder zehn unter Ausschluss des Elften privat unterhalten, da es verboten ist, jemanden auszuschließen … Dies liegt daran, weil es das gleiche Ergebnis zur Folge hat, ob eine Gruppe von Menschen jemanden vom vertraulichen Gespräch ausschließt oder es nur zwei Personen tun.‘ Er sagte: ‚Dies ist ein Zeichen der Höflichkeit und des guten Benehmens, um Hass und Ausgrenzung unter den Menschen zu verhindern.‘ Al-Mâzirî und jene, die seine Meinung teilen, sagten: ‚Es besteht kein Unterschied zwischen zwei Menschen oder einer Gruppe, die jemanden von ihrem vertraulichen Gespräch ausschließen, da es das gleiche Ergebnis (d. h., es wird ihn betrüben) zur Folge hat.‘ Al-Qurtubî fügte hinzu: ‚Wenn jemand von einem privaten Gespräch in einer Gruppe von Menschen ausgeschlossen wird, ist es für ihn erst recht schwierig und hart. Aus diesem Grund hat das Verbot in solch einer Situation mehr Berechtigung. Der Hadîth spricht konkret von einer Gruppe von drei Menschen, weil diese Anzahl in solch einem Fall üblich und zu erwarten ist.‘ As-Sindî sagte: ‚Die Worte des Propheten »Wenn drei von euch« weisen darauf hin, dass es für zwei Menschen in einer Gruppe von mehr als drei Personen zulässig ist, sich privat zu unterhalten, weil der Vierte der Dritten Gesellschaft leisten kann. Außerdem trägt die Anwesenheit des Vierten dazu bei, dass der Dritte keine etwaigen Übel von den anderen befürchten muss.‘“

Eine weitere Verhaltensregel, die man beachten sollte: Treffen sich zwei Personen, um ein vertrauliches Gespräch zu führen, darf man ihr Gespräch nicht belauschen, noch zwischen ihnen sitzen. Das Gleiche gilt auch in einer größeren Versammlung, in der sich die Betroffenen befinden. Sa’îd ibn Abû Sa’îd Al-Maqbarî berichtete: „Ich habe mich einmal an Ibn Umar gewandt, als er in Begleitung eines Mannes war, der sich mit ihm unterhielt. Ich setzte mich zu ihnen. Da schlug Ibn Umar mir auf die Brust und sprach: ‚Weißt du nicht, was der Prophet (möge Allâh in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte? »Wenn sich zwei Menschen privat unterhalten, setzt euch nicht zu ihnen, bis ihr ihre Erlaubnis eingeholt habt.«‘“ Ibn Hadschar (Allâh erbarme sich seiner) schrieb: „Ibn Abdulbarr sagte: ‚Es ist nicht erlaubt, zwei sich privat unterhaltenden Menschen beizutreten.‘ Ich (d. h. Ibn Hadschar) bin der Meinung, dass er sich nur mit ihrer Erlaubnis zu ihnen setzen sollte, weil sie ihr Gespräch unter vier Augen begonnen haben, als sie allein waren. Dies zeigt ihre Absicht, ihr Gespräch vertraulich zu halten ... Es ist erforderlich, alles zu vermeiden, was einem Gläubigen schadet, unabhängig vom Ausmaß des Schadens.“

Die Berücksichtigung der Gefühle der Menschen ist Teil der prophetischen Weisung. Unser Prophet (möge Allâh in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) lehrte uns viele edle Manieren, die wir beachten sollten und uns dabei helfen, auf die Gefühle der Menschen Rücksicht zu nehmen. Die Sunna ist reich an entsprechenden Beispielen, einschließlich der folgenden:

- Beachtung der Gefühle eines Sünders in Bezug auf die Art und Weise, wie man ihm einen Ratschlag erteilt.
- Rücksicht auf den Armen, indem man ihn nicht an die ihm erwiesenen Gefälligkeiten erinnert und ihn dadurch verletzt.
- Berücksichtigung der Gefühle von Menschen, indem man sie in keiner Weise belästigt oder ihnen in irgendeiner Weise schadet.
- Rücksicht auf die Gefühle von Menschen mit besonderen Bedürfnissen und von Kranken in Bezug auf die Art und Weise, wie man sie behandelt und mit ihnen spricht.
- Berücksichtigung der Gefühle von Alt und Jung, indem man jedem Menschen das ihm gebührende Recht auf Wertschätzung und Respekt sowie auf Mitgefühl und Zuwendung einräumt.

Es gehört zur gebotenen Rücksichtnahme, dass sich zwei Menschen in Gegenwart einer dritten Person nicht privat unterhalten. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Rücksichtnahme auf die Gefühle der Menschen die Reinheit von Herz und Seele fördert, Beziehungen stärkt und den Geist der Liebe und die Brüderlichkeit unter den Mitgliedern der Gesellschaft begünstigt.

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