
Die Glaubenslehre, mit der der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) kam, wird um ihrer selbst willen angenommen, nicht um Gewinn und Nutzen zu erzielen – anders als die Händler mit ihrem Handel, die Handwerker mit ihrem Handwerk und andere. Der Händler betreibt den Handel, um Gewinn zu erzielen. Wenn ihm sein Handel Geld einbringt, bleibt er dabei und bekräftigt ihn. Wenn nicht, lässt er davon ab und wendet sich anderem zu. Ebenso verhalten sich Handwerker, Bauern etc. Die Glaubenslehre jedoch wird nicht angenommen, um Gewinn und Geld zu erzielen, sondern um ihrer selbst willen – als Glaube an Allah, den Erhabenen, als Befolgung Seines Gesandten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und als Bestätigung der Botschaft, die Allah, der Erhabene, offenbarte.
Wer die Glaubenslehre um ihrer selbst willen annimmt, dem verleiht sie in Zeiten der Bedrängnisse Standhaftigkeit und Festigkeit in seiner Religion und beruhigt und stärkt sein Herz. Denn die Glaubenslehre lehrt ihn, dass jede Prüfung und jedes Leid nur durch die Bestimmung Allahs, des Erhabenen, geschieht und aus einem tieferen Sinn, denn allein Allah kennt. Daher erträgt er dies standhaft und hält an seiner Religion fest. Wer jedoch die Glaubenslehre aus weltlichen Motiven annimmt, dem beschert sie in schweren Zeiten Feigheit und Schwäche, er wird sich von der Religion distanzieren oder ganz von ihr abfallen, wenn die Person wahrnimmt, dass diese Glaubenslehre sie in jenes Leid gebracht hat.
Der Qurân nennt jene Art von Menschen, die den Glauben nur um Glaubenslehre suchen. Er erklärt: „Und unter den Menschen gibt es manchen, der Allah nur am Rande dient. Wenn ihn etwas Gutes trifft, ist er damit beruhigt, doch wenn ihn eine Versuchung trifft, macht er eine Kehrtwende. Er verliert das Diesseits und das Jenseits. Das ist der deutliche Verlust.“ (Sure 22:11).
Al-Wâhidî schreibt in seinem Werk Asbâb an-Nuzûl über diesen Vers: „Die Qurân-Ausleger sagen, der Vers wurde über Beduinen offenbart, die zum Gesandten Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) nach Medina kamen, weil sie aus ihrer Wüste auswanderten. Wenn einer von ihnen nach Medina kam und sein Körper dort gesund blieb, seine Stute ein schönes Fohlen gebar, seine Frau einen Jungen gebar und sein Vermögen und seine Herden zunahmen, dann war er zufrieden und beruhigt und sagte: ‚Seit ich dieser meiner Religion beigetreten bin, habe ich nur Gutes erfahren.‘ Wenn ihn jedoch das Fieber von Medina befiel, seine Frau ein Mädchen gebar, seine Stuten eine Fehlgeburt hatten, sein Vermögen dahinschwand und die Almosen für ihn ausblieben, dann suchte der Satan ihn auf und sagte: ‚Bei Allah, seit du dieser deiner Religion angehörst, ist dir nur Schlechtes widerfahren.‘ Dann wendet er sich von seiner Religion ab. Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene: ‚ Und unter den Menschen gibt es manchen, der Allah nur am Rande dient […]‘.“
Mudschâhid und Qatâda sagten: „‚Am Rande‘ bedeutet: in Zweifel.“ Andere meinen „am Rande“ sei ein Vergleich mit dem Bergrat, also seinem äußersten Ende. Das heißt, die Person tritt der Religion am Rande bei. Wenn er findet, was ihm gefällt, bleibt er, und wenn nicht, zieht er sich zurück. Az-Zamachšarî schreibt: „Wie einer, der am Rande einer Heeresschar steht – wenn er einen Sieg oder eine Beute spürt, bleibt er und fühlt sich sicher, wenn nicht, flieht er und stürzt davon.“
So ergeht des dem, der in diese Religion eintritt und diese Glaubenslehre annimmt, doch daran zweifelt und zugleich verwirrt und unruhig ist. Es ist sein Zustand, dass „Wenn ihn etwas Gutes trifft, er damit beruhigt [ist]“, das heißt: Wenn es ihm und seinem Vermögen gut geht, findet er Ruhe in dieser Religion und bleibt ihr treu. „Doch wenn ihn eine Versuchung trifft, macht er eine Kehrtwende.“ Dies bedeutet: Wenn er wegen seiner Religion geprüft wird oder er deswegen Verluste erleidet oder sein Glauben dazu führt, dass ihn Menschen anfeinden, dann macht er eine Kehrtwende und kehrt als Ungläubiger zurück. „Er verliert das Diesseits und das Jenseits“, weil er durch den Glauben nicht das gewinnt, was er sich im Diesseits erhofft, und er verliert das Jenseits, indem er nach seinem Abfall von der Religion für immer in der Hölle bleibt. „Das ist der deutliche Verlust“ – das heißt der offensichtliche Verlust, der niemandem verborgen bleibt: der Verlust beider Welten zugleich.
Wer am Rande einer Sache steht, fällt beim ersten Stoß, wie es eben Heuchlern ergeht. Wenn solche Leute zur Zeit des Gesandten Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) mit ihm in die Schlacht zogen und es ihnen schlecht erging, fielen sie, und ihr brüchiger Glaube zeigte sich, und der dünne Schleier, mit dem sie sich vor den Menschen versteckten, wurde gelüftet. Ein Beispiel dafür ist die Reaktion der Heuchler am Tag der Grabenschlacht. Kaum sahen sie die Parteien, die Medina belagerten, sagten sie: „Allah und Sein Gesandter haben uns nur Täuschung versprochen.“ (Sure 33:12).
Die aufrichtigen Gläubigen, die diesen Glauben um seiner selbst willen angenommen haben und nicht auf weltliche Vorteile hoffen, stärkt der Glaube bei Prüfungen. Dazu gehört auch ihre Haltung am Tag der Parteien. Allah, der Erhabene, beschreibt den Moment, als sie die gegnerischen Parteien erblickten: „Und als die Gläubigen die Parteien sahen, sagten sie: ‚Das ist, was Allah und Sein Gesandter uns versprochen haben. Allah und Sein Gesandter haben die Wahrheit gesagt.‘ Und es mehrte ihnen nur den Glauben und die Ergebenheit.“ (Sure 33:22). Sie sagten: Dies ist das Zeichen, das Allah uns verhieß, dass wir vor dem Eintritt ins Paradies unbedingt geprüft und erschüttert werden müssen. Sie meinten damit die Worte: „Oder meint ihr etwa, dass ihr in den (Paradies)garten eingehen werdet, noch bevor Gleiches über euch gekommen ist, wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Leid widerfuhr ihnen, und sie wurden erschüttert, bis dass der Gesandte und diejenigen, die mit ihm glaubten, sagten: ‚Wann kommt Allahs Sieg? Aber wahrlich, Allahs Sieg ist nahe.‘“ (Sure 2:214).
Dies veranlasst den Gläubigen, seine eigene Seele und seine Absicht in Bezug auf seine Glaubenslehre zu überprüfen und Allah, den Erhabenen, darum zu bitten, ihn zu festigen, und ihn stets um Aufrichtigkeit zu bitten. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) pflegte zu sagen: „O Wender der Herzen, festige mein Herz in Deiner Religion.“ (Überliefert von At-Tirmidhî). Und zu seinen Bittgebeten gehörte: „Und ich bitte Dich um Furcht vor Dir im Verborgenen und im Offenkundigen, und um das aufrichtige Wort in guten wie in schlechten Zeiten.“ (Überliefert von Ibn Abî Schaiba.)